
Jakob Böttcher (*1999 in Hamburg) ist Komponist und Tonmeister. Sein künstlerisches Schaffen fußt auf der symbiotischen Wechselwirkung seiner beiden Schaffensbereiche: So verfolgt er als Komponist eine musiktheatrale Ästhetik klanglicher Hypernähe, die häufig um Phänomene wie Raumwirkung, Mensch-Maschine und Analog-Digital kreist. Die „unintendierte Musik“ von Alltagsobjekten spielt dabei eine zentrale Rolle. Seine Werke wurden u.a. bei Wien Modern, Klangspuren Schwaz, im Gare du Nord, in der Neuköllner Oper, am TD Berlin und bei den Kyoto International Music Days aufgeführt. Er komponierte u.a. für Cantando Admont Wien, AuditivVokal Dresden, Hyper Duo, Megumi Kasakawa, Wu Wei und die Trondheim Sinfonietta. Musik für Hörspiel schrieb er für den Bayerischen Rundfunk. Im Duo mit Ludmilla Mercier entstand mit „lavomatik“ zuletzt ein Musiktheater für Waschmaschinen als Eröffnung des BAM!-Festivals 2025.
Als Tonmeister faszinieren ihn Nuancen musikalischer Interpretation und die Psychologie der Kommunikation in der Musikproduktion. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Für das Teldex Studio Berlin wirkte er an zahlreichen Aufnahmen u.a. mit den Berliner Philharmonikern, Wiener Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra, Mozarteumorchester Salzburg, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Solist*innen wie Karen Gomyo, Bruce Liu und Tamara Stefanovich, u.a. für Deutsche Grammophon, Sony und Warner. Freie Produktionen entstanden zuletzt mit dem Trio maTrigal und dem Stegreif-Orchester.
Er studierte Komposition (Mendoza) und Tonmeister*in an der Universität der Künste Berlin und am California Institute of the Arts in Los Angeles. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Akademie Musiktheater Heute.
Außerdem ist er Initiator zahlreicher interdisziplinärer künstlerischer Projekte. Als Autor schrieb er für die Neue Zeitschrift für Musik, die Positionen, die Münchener Biennale, das Ensemble Reflektor und die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung. Als Dirigent des Ensembles Junge Musik Heimfeld setzt er sich in Stadtteilprojekten für Musikvermittlung ein. Er forscht zu musikalischer Pulswahrnehmung im Zeitalter des Digitalen sowie Wirkungsprinzipien von Musikschnitt; 2027 erscheint eine Schrift zur Perfektionsfrage musikalischer Interpretation. 2025/26 unterrichtete er das von ihm konzipierte Seminar „Komponieren für die Aufnahme“ an der Universität der Künste Berlin. Er arrangierte für die Berliner Philharmoniker.
